Wirtschaft

Energie für die Zukunft
Biogas aus Böddenstedt
Einige hundert Meter außerhalb des Ortes gelegen liefert die Böddenstedter Biogasanlage Energie für die Zukunft. 2005 ist die Anlage der Hinrichs & Schütte GbR (Jens Hinrichs aus Böddenstedt und Tobias Schütte aus Hansen) in Betrieb gegangen. Heute wird mit der Biogas-Anlage am Hauptstandort und den beiden Satelliten-Standorten in Böddenstedt und Holthusen II der Jahresbedarf an Strom für ca. 2.000 Haushalte produziert. Mit der entstehenden Wärme werden Ställe und ein Wohnhaus geheizt sowie Zwiebeln getrocknet, Tendenz steigend. Ökologisch sinnvoll und umweltbewusst trägt die Biogasanlage zur Versorgung mit erneuerbaren Energien in Deutschland bei.

Von 2005 bis heute
Seit knapp 10 Jahren gibt es die Biogasanlage in Böddenstedt. Mit drei Behältern (zwei Fermenter und ein Nachgärer) ging die Anlage 2005 in Betrieb. 2008 wurden Siloplatte und Endlager gebaut, so dass die Anlage mehr Gülle aufnehmen kann. Auf der Siloplatte wird seitdem das „Futter“ für die Biogasanlage gelagert. 2011 wurden Satelliten in Böddenstedt und Holthusen II errichtet. Eine Gas-Pipeline führt von der Biogasanlage zu den Satelliten-Standorten. Der mittels der dort aufgestellten Motoren produzierte Strom wird ins Stromnetz eingespeist. Die Abwärme wird zur Beheizung von Ställen und Wohnhäusern sowie zur Zwiebeltrocknung eingesetzt. 2013 folgten Gasfackel und Separator. Die Gasfackel verhindert, dass bei einer zu großen Gasproduktion klimaschädliches Methan in die Umwelt gelangt. Der Separator trennt den Gärrest in feste und flüssige Bestandteile. Die festen Gärreste können so bis zu ihrer Ausbringung mit dem Miststreuer auf der Siloplatte gelagert werden. Im Endlager bleibt mehr Platz für die flüssigen Gärreste. Und die Investitionen in die Zukunft gehen weiter: 2014 wird ein zweiter Motor am Hauptstandort aufgestellt, um den Strom bedarfsgerechter produzieren zu können. Zu Tageszeiten, in denen keine Wind- oder Sonnenenergie produziert wird, laufen beide Motoren gleichzeitig. Ist zu viel Strom im Netz, werden beide Motoren abgeschaltet. Die jährlich in der Biogasanlage produzierte Strommenge bleibt gleich. Mehr Flexibilität macht den Strom handelbar und unterstützt den Ausbau erneuerbarer Energien insgesamt.

Futter für die Biogasanlage
Die Biogasanlage gleicht in ihrer Funktionsweise einem Kuhmagen. Da die Dimensionen deutlich größer sind, braucht sie reichlich Futter. 12.000 Tonnen Silage aus Mais und Grünroggen sowie 200 Tonnen Zuckerrüben werden jährlich verfüttert und machen damit rund 65 Prozent des Futters aus. 4.500 Tonnen Gülle werden von Betrieben aus Böddenstedt und Hansen angeliefert. Die optimale Mischung erhält das Futter durch Beigabe von 1.500 Tonnen Hühnertrockenkot aus einem Legehennenbetrieb bei Osnabrück. Im Landkreis Uelzen als "Nährstoff-Einfuhrgebiet" steht Hühnertrockenkot nicht in ausreichender Menge zur Verfügung.

Die Hinrichs & Schütte GbR beteiligt sich am seit 2012 bestehenden "Maisdeckel-Programm" und verpflichtet sich, nicht mehr als 60 Prozent Mais zu füttern, um so der sogenannten "Vermaisung" der Region vorzubeugen. Allerdings ist der Anteil an Maisflächen im Landkreis Uelzen nicht sehr hoch. Nur elf Prozent der Ackerflächen werden laut Statistik 2013 der Landwirtschaftskammer für den Maisanbau genutzt, weit größere Anteile haben Getreide (46 Prozent), Kartoffeln (20 Prozent) und Zuckerrüben (15 Prozent). In der gesamten Maisfläche wird eine Grasuntersaat ausgesät, sodass über den Winter eine grüne Wiese entsteht. Das ist schon fürs Auge, lecker für Wildtiere und humusbildend für eine bessere Bodenfruchtbarkeit.

50 Prozent des Futters werden in einem Umkreis von zwei Kilometern um die Biogasanlage angebaut. In einem Radius von fünf Kilometern sind es sogar 80 Prozent. Kurze Transportwege können so sichergestellt werden.

Gärsubstrate als regionaler Dünger
Die "Gärreste" der Biogasanlage gehen zurück an die zuliefernden Betriebe und fünf weitere vor Ort ansässige Landwirte. Sie werden als Dünger eingesetzt. Da die zugelieferte Gülle in der Biogasanlage durchgegoren und ausgegast ist, gibt es wesentliche Vorteile: Das ausgebrachte Gärsubstrat verursacht keine unangenehmen Gerüche und die Verluste durch das in der Gülle enthaltene Ammoniak werden vermieden. Zubringerfahrzeuge mit großen Tanks fahren das Gärsubstrat von der Anlage weg, um so das Verkehrsaufkommen zu minimieren. Auf dem Feld wird das Substrat mit einer Kombination von Ausbringfass und Bodenbearbeitungsgerät direkt in den Boden eingearbeitet, so dass Nährstoffverluste minimiert werden.

Umweltbewusster Wirtschaftsfaktor
Umweltbewusst, ökologisch sinnvoll und sicher wird die Energie vor Ort in Böddenstedt produziert. Die Biogasanlage sichert einen Arbeitsplatz und bringt zusätzliche Wertschöpfung durch Steuereinnahmen für die Gemeinde. Die Futterproduktion erfolgt vorwiegend durch die Betreiber selbst. Damit trägt die Biogasanlage zum Erhalt der landwirtschaftlichen Betriebe bei. Auch an einer Biogasanlage sind Reparaturen und Wartungsarbeiten notwendig, die von in der Region ansässigen Handwerksbetrieben durchgeführt werden.

Text und Fotos: Jens Hinrichs

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